Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

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oliver37
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Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 20.05.2020, 10:29

Guten Tag!

Ich wende mich mit den nachfolgenden Fragen ans Forum hier und danke euch bereits im Voraus
für jegliche Antworten zu meinem Thema.

Auf Grund Covid-19 und des damit vorhandenen Arbeitsvolumen frage ich hier, weil einfacher und schneller.

In Kürze geht eine Klage wegen eines Problems eines Neufahrzeuges an das Bezirksgericht.
Ich werde durch einen Rechtsanwalt (Fall gedeckt durch Rechtsschutzversicherung) vertreten und ich bin der Kläger.

Mehrere Interventionsschreiben aussergerichtlich führten zu keinem Erfolg, deswegen muss jetzt zu Gericht gegangen werden.

Bisher habe ich keine Erfahrungen hinsichtlich der gewöhnlichen Abläufe in Rechtssachen und frage hier:

- Der Rechtsanwalt stellt die Klage mittels EDV an das Bezirksgericht zu.
-> bekomme ich als KLÄGER eine Info, dass die Klage bei Gericht eingegangen ist bzw. bearbeitet wird?

- Wie lange dauert es in der Regel bis das Gericht die KLAGE dann an den Beklagten zustellt?
-> da gibt es ja wieder eine Frist und der Beklagte ist dann zur Klagebeantwortung aufgerufen .... wie lange dauert das idR?

- Wenn der Beklagte die Klagebeantwortung an das Gericht abgibt, bekomme ich als KLÄGER die Info was in dieser "Stellungsnahme" vermerkt ist, oder bekommt das nur das GERICHT oder mein RECHTSANWALT und MUSS dieser mir dann Bericht erstatten?

Oder ist es IN JEDER SITUATION so, dass ich als Kläger bei jeglichem Schriftverkehrswechsel/Stellungsnahmen automatisch verständigt werde?

Ich habe auch die Handysignatur, sprich in weiterer Folge die elektronische Zustimmung aktiviert.

Weiß irgendwer oder kann es abschätzen, wie lange, auf Grund der aktuellen Situation, in der Regel jetzt so ein Gerichtsprozess dauert, wenn die Klage jetzt im Mai an das Bezirksgericht eingeht?

Da wird es ja Erfahrungswerte geben, wie lange so ein Prozess, mit einem KFZ-Gutachter dauert?

Danke schon mal im Voraus für die Beantwortungen.

Ich weiß, es ist viel und umfangreich geschrieben, ich habe halt keine Erfahrungen.
Entschuldigt bitte im Voraus schon etwaiges Nachfragen.



MG
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von MG » 20.05.2020, 12:46

Warum wenden Sie sich mit Ihren Fragen nicht an Ihren Anwalt?

Zusammen gefasst.

Da Sie anwaltlich vertreten sind, erfolgen alle Zustellungen NUR an Ihren Anwalt.

Der zeitliche Ablauf hängt ganz davon ab, ob sich der Gegner überhaupt gegen die Klage/Zahlungsbefehl "wehrt" und wenn, ob und wie sehr das Gericht derzeit belastet bzw. überlastet ist.

Eine Verfahrensdauer von rund einem Jahr für die erste Instanz war schon vor Corona in solchen Verfahren keine Seltenheit...

oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 20.05.2020, 16:33

Danke für die Antwort.

Also alles läuft über meinen Anwalt und der erstattet mir dann "automatisch" Bericht, verstehe ich das richtig?
Bericht von der Klagebeantwortung, Stellungsnahmen etc.?
Oder muss ich da immer pro-aktiv nachfragen?

Werde ich auch benachrichtigt, wenn die Klage bei Gericht eingegangen ist?

oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 20.05.2020, 16:42

Könnte ich eigentlich auch beim zutreffenden Gericht nachfragen, wie aktuell das Arbeitsvolumen und mit welcher mittleren Verfahrensdauer aktuell zu rechen ist, oder macht man sowas nicht?

alles2
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von alles2 » 21.05.2020, 02:55

Üblicherweise wird man vom Anwalt darüber verständigt, wenn Bewegung in der Sache kommt. Mit Anwälten über der Rechtsschutzversicherung habe ich keine Erfahrung. Sollte jedoch auch nicht anders ablaufen.
Wenn der Deine Email-Adresse kennt, machen die das gerne mal in elektronischer Form. Besonders wenn es ein neues Dokument (Entscheidung, Bescheid, Ladung usw. mit Rechtsmittel) gibt. Ansonsten eben per Post. Weniger wichtige Informationen oder die Besprechung der weiteren Vorgehensweise kann auch telefonisch erfolgen.

Lass die Gerichte nur ihre Arbeit machen. Gib ihnen die Zeit, die es braucht. Es ist längst kein Geheimnis, dass viele Gerichte mit Personalmangel zu kämpfen haben, was in vielen Gerichtsgebäuden unmissverständlich durch diverse Aushänge vermittelt wird.
Daher bringt es nicht viel, "ena zuabezusteigen". Es könnte sonst wie ein "Geh bitte, dads endlich weida!" rüberkommen. Das kann man vielleicht machen, wenn man ohne Anwalt dasteht. Aber ansonsten ist er eben Deine erste Ansprechperson, wie der Vorposter es auf den Punkt gebracht hat.
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oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 21.05.2020, 11:31

@alles2 danke für die umfangreiche Auskunft.

Ich will ja niemanden nerven oder so, aber es ist auch Realität, dass man relativ wenig Informationen bekommt. Die Rechtsanwälte sind kurz angebunden und haben Stress .. etc...

Auch kann ich selbst als Kläger nirgendwo nachsehen, in wie weit der Fall ist, oder ob die Klage schon bei Gericht eingelangt ist? Durch Handysignatur/Bürgerkarte oder? Da bin ich vom RA abhängig oder?

Kann wer aus praktischer Erfahrung mitteilen, wie lange es i.d.R. vor Corona es gedauert hat im Median?

In wie fern ist es realistisch, dass man sich bei der vorbereitenden Tagsatzung einigt, also dass der Autohändler sagt, ok ich tue mir das nicht an, die Beweise sind erdrückend, ich biete Wandlung an?

Danke!

alles2
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von alles2 » 21.05.2020, 13:00

Mit der "Handysignatur/Bürgerkarte" habe ich persönlich keine Erfahrung. Ich weiß nur, dass man damit diverse Unterlagen und Anträge an verschiedenen Ämtern und Behörden elektronisch übermitteln kann. Es aber für etwaige "Urgenzen" mit Gerichtsbehörden nicht vorgesehen ist.

Plump ausgedrückt ist der Anwalt Dein Rechtsvertreter. Daher läuft alles über ihn, während der Kläger gegenüber den Behörden sozusagen die Füße stillzuhalten hat. Auch ich hatte mal hinter dem Rücken einer Verfahrenshilfe diverse Anträge direkt an das Gericht gerichtet. Manche haben das klaglos angenommen, andere hatten mich auf den Anwalt hingewiesen. Hängt vielleicht vom Richter und von der Art des Antrages ab. Oft hat eben der Anwalt keine Freude damit, wenn Schritte ohne Absprache gesetzt werden.

Ich würde Dir aufrichtig raten, die Dinge auf Dich zukommen zu lassen, wie sie kommen. Es bringt Dir recht wenig, wenn Dir die einen von einem Verfahren innerhalb kürzer Zeit berichten, während es bei anderen länger gedauert haben könnte. An diese unverbindlichen Informationen kannst Du Dich nicht orientieren, wenn es zu Umständen kommt, die ein Verfahren "verschleppen" können. Ansonsten hat "MG" diesbezüglich ohnehin alles gesagt.
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oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 21.05.2020, 13:24

Vielen herzlichen Dank für die bisherigen, hilfreichen Antworten und ich nehme den Hinweis dankend auf!

oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 21.05.2020, 21:17

... eine Frage habe ich noch und zwar, weil ich ja nicht weiß ob sich das hinzieht oder nicht, und ein Gutachten (!) notwendig ist:

Kann ich da selbst irgendwie dem vorgreifen, oder bin ich voll und ganz vom Gericht und dessen Entscheidungen/Bestellungen abhängig?

alles2
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von alles2 » 22.05.2020, 03:20

Anfangs hattest Du was von einem KFZ-Gutachter erwähnt. Läuft das schon oder wäre das beabsichtigt? Und von wem wurde es in Auftrag gegeben? Sollte es nicht zu Eurem Gunsten ausfallen (denn der was dafür zahlt, bekommt gerne mal das, was er haben möchte), sollte sich Deine Versicherung auch um ein Gutachten kümmern. Da diese vom Gericht nur als Urkunde gesehen werden, ist die Frage, ob diese überhaupt gerichtlich verwertet werden. Selbst jene von allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen muss der Richter nicht folgen.

Wenn ein (Ober-)Gutachten vom Gericht bestellt wird, kann sich die Angelegenheit bis zur Fertigstellung verzögern. Kann schon vorkommen, dass es 1-2 Monate dauert. Bei einem Privatgutachten nimmt der Richter keine zeitliche Rücksicht darauf. Der Anwalt kann aber um die Verschiebung eines gerichtlichen Termins ersuchen, sollte dahingehend noch ein Ergebnis auf sich warten.

Selbstverständlich können vorher irgendwelche Beweisanträge gestellt werden. Dann würde man nicht Gefahr laufen, dass eine Verhandlung womöglich vertagt werden müsste. Auf der anderen Seite kann es zu Verzögerungen kommen, wenn beispielsweise ein wesentlicher Zeuge nicht der Ladung folgt.
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oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 22.05.2020, 12:19

Danke auch an alle für die Antworten.

Ein Gutachter muss das Problem beurteilen und wird dann angefordert, so stehts halt drinnen und wurde mir schon mitgeteilt, das man da einen Gutachter braucht.

Und meine Frage ist halt, ob ich da als Kläger irgendwas machen (im Sinne von beschleunigen) kann, oder ob ich da voll und ganz von dem gerichtlichen Ablauf abhängig bin, weil ein selbst beigebrachtes Gutachten wird ja nicht zählen.

Und je länger sich das möglicherweise in die Länge zieht...

Mich nervt es halt, das mir niemand die geschätzte Dauer für sowas beantworten kann.

alles2
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von alles2 » 22.05.2020, 12:46

Damit musst Du Dich eben abfinden, denn die berühmt berüchtigte Glaskugel hat auch die Richterschaft nicht. So wie "MG" richtig ausgeführt hat, kann immer etwas (von der Gegenseite) dazwischen kommen, was man vorher nicht wissen kann. Und da Richter Berge an Akten zu bearbeiten haben, gilt das auch für die anderen Fälle, die einen potentiellen Zeitplan des Richters über den Haufen werfen können.
Darüber hinaus können auch Angelegenheiten dazwischenkommen, die prioritär behandelt werden müssen usw. usf. Daher wäre es eher unseriös, wenn der Richter eine "geschätzte Dauer" geben würde. Aber sobald Ihr eine Ladung von ihm bekommt, gibt es schon mal eine zeitliche Eingrenzung.
Zuletzt geändert von alles2 am 22.05.2020, 15:20, insgesamt 1-mal geändert.
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oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 22.05.2020, 15:13

Ich danke Ihnen sehr für die Antwort. Mercy.

Hoffentlich geht was Weiter...!

Schönes Wochenende!

Hank
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von Hank » 24.05.2020, 06:45

...der redliche Bürger, der sich tatsächlich in seinen Rechten gekränkt zu sein erachtet und nicht nur klagt, weil eh die Rechtsschutzversicherung die Anwalts- und Gerichtskosten zahlt, wird wohl auch weiterhin schnellst möglich einen ersten Verhandlungstermin bekommen, selbst am BG für Handelssachen in Wien…

oliver37
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Re: Fragen zum Ablauf eines Zivilprozesses, KFZ-Recht - Informationen & Dauer

Beitrag von oliver37 » 24.05.2020, 12:04

Wollen Sie damit sagen, dass Leute, die über Rechtsschutzversicherung abrechnen, schlechter gestellt sind und Selbstzahler besser?

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