Mit dem Fahrrad in der Mitte fahren, darf ich das?

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oli
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Mit dem Fahrrad in der Mitte fahren, darf ich das?

Beitrag von oli » 22.08.2020, 15:36

Liebes Forum,

in meiner Wohnungsnähe ist ein Supermarkt eröffnet worden. Die breite 50er Straße davor wurde durch Verkehrsinseln in der Mitte geteilt und die Fahrbahnen getrennt dadurch und verschmälert. Deshalb ist dort nun 30 beschildert.
Die Fahrbahn ist so schmal, dass, so denke ich, ein Überholen von einem Fahrrad mit dem Auto nicht mehr möglicht ist. Die 1,5m wie in Deutschland gibt es bei uns in A ja nicht.
Letzthin wurde ich als Radfahrer trotzdem von einem Auto überholt, ich fuhr ziemlich rechts (wie ich es als Kind gelernt habe).
Natürlich war das ziemlich eng und das Auto schnitt mich vorne doch ziemlich.
Ich habe nun mir überlegt, dort statt am rechten Rand zu fahren, in der Mitte zu fahren, so dass ich mich nicht mehr so gefährlich überholen lassen muss. Selber fahre ich mit 25kmh, da ich ein Stromrad habe. In den Kreisverkehren mache ich das schon länger so, da ich schon einige gefährliche Überholmanöver von PKWs erleben musste. Der Kreisverkehr ist aber eine sehr kurzweilige Sache und gibt den Autofahrern dadurch wenig Möglichkeit, sich wüst oder ungehalten bemerkbar zu machen.

Nun die Fragen:
1. Ist das gesetzlich gedeckt, wenn ich in der Mitte fahre? Das Straßenstück ist insgesamt ca. 70m lange.
2. Ist es auch moralisch richtig, wenn ich in der Mitte fahre oder nur egoistisch von mir?

Ich selber fahre Auto, Motorrad und Fahrrad. Kenne also alle Sichten und Perspektiven. Ich selber würde dort nicht mit einem PKW überholen, bin aber nicht der Maßstab, wie sich schon zeigte.

Ich danke für eure Gedanken dazu,

OLI



alles2
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Re: Mit dem Fahrrad in der Mitte fahren, darf ich das?

Beitrag von alles2 » 22.08.2020, 23:48

Das Rechtsfahrgebot nach § 7 Abs 1 StVO gilt auch für Radfahrer. Sprich, so weit wie möglich rechts fahren. Stell Dir vor, Du befindest Dich mit dem entsprechenden Fortbewegungsmittel auf einem Radweg, dessen Fahrstreifenbreite ausreicht, um auf derselben einen "Weggefährten" problemlos überholen zu können, ohne auf den Fahrstreifen in die Gegenrichtung ausweichen zu müssen.
Noch dazu kann es zu gewagteren Überholmanövern kommen, wenn jemand (egal wo) die ganze Fahrbahn für sich beansprucht!

Das richtungsweisende Urteil VGW-031/022/7714/2016 des Verwaltungsgerichts Wien bezieht sich bzgl. eines besonders heiklen Themas, der Abstand zu parkenden Autos, ebenfalls auf das genannte Gebot:

https://www.ris.bka.gv.at/JudikaturEntscheidung.wxe?Abfrage=Lvwg&Dokumentnummer=LVWGT_WI_20160914_VGW_031_022_7714_2016_00
VGW-031/022/7714/2016

Man kann sagen, "mittig fahren" ist angemessen, wenn es die Situation durch vorausschauendes Fahren unter Einhaltung des Rechtsfahrgebotes begründet werden kann. Darunter fällt nicht die Unterbindung von Überholvorgängen durch den nachkommenden Fahrer.
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oli
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Re: Mit dem Fahrrad in der Mitte fahren, darf ich das?

Beitrag von oli » 23.08.2020, 10:44

Danke erst mal.
D.h., ich muss rechts fahren und damit leben, dass das Auto mich dann in einem Abstand von 0,5 Meter überholen kann. Führe ich mittig, könnte es das nicht.
Ich frage das nicht, weil ich den Autofahrer schikanieren will, nein, ich bin selber auch Autofahrer. Ich mache mir die Gedanken aus reinem Selbsterhaltungstrieb.

Fahre ich hingegen 1,2m weiter links (und somit evtl. in der Mitte), damit ich eine evtl. aufgehende Autotüre berücksichtigen kann, dann ist das legal.

alles2
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Re: Mit dem Fahrrad in der Mitte fahren, darf ich das?

Beitrag von alles2 » 23.08.2020, 11:41

Als Straßenbenützer darfst Du andere eben nicht behindern und belästigen und musst darauf vertrauen, dass sich auch diese verkehrsgerecht verhalten. Als Radfahrer muss man mit Überholmanövern durch PKWs rechnen und bist gemäß § 7 Abs. 2 StVO verpflichtet, während des Überholmanövers am rechten Fahrbahnrand zu verbleiben.

Auch gesetzlich gilt der Richtwert von einem Meter plus Geschwindigkeit des Autofahrers beim Sicherheitsabstand als vertretbar. Macht er das nicht, gefährdet er andere Verkehrsteilnehmer und kann zur Rechenschaft gezogen werden, wenn der Radfahrer es bei der Polizei anzeigt (Offizialdelikt). Sollte Dir etwas passieren, wärst Du fein raus, weil Du Dich ja an die StVO gehalten hast. Man muss eben überall damit rechnen, dass etwas passieren kann, und daher für sich entscheiden, ob er sich das antut.

Aber auf die von Dir beschriebene Selbsthilfe zurückgreifen, nur weil gerade keine Streife mit einem Seitenradar vor Ort ist, wäre auch nicht angebracht. Habe öfters schon beobachtet, dass mit einem auf dem Rad geklemmten Abstandshalter (z.B. Abstandskelle, Poolnudel) beholfen hat, um bei den KFZ-Fahrern ein Bewusstsein für den Sicherheitsabstand zu schaffen.
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