Vogelfüttern am Balkon

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Steiner39
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Vogelfüttern am Balkon

Beitrag von Steiner39 » 21.06.2020, 12:25

Hallo!

Ich füttere vom Balkon aus, bzw am Balkon gerne Krähen, Elstern, Dohlen mit Erdnüssen.
Eben alles ausser Tauben, was hier rumfliegt.
Eine Nachbarin hat sich darüber beschwert "Tun sie das nicht, die haben genug zu fressen".

Meine Recherche beim Tierschutzverband hat ergeben, daß meine Nachbarin unrecht hat ( https://naturschutzbund.at/artenschutz/articles/kraehenvoegel-finstere-zeiten-fuer-die-klugen-schwarzen.html ), nun möchte ich noch die rechtliche Lage klären.

In Deutschland ist es durch Gerichtsbeschluß gesetzlich erlaubt ( https://www.rechtsindex.de/mietrecht/1664-vogelfuettern-auf-dem-balkon-darf-der-mieter-das ), aber wie ist die Lage in Österreich?

Ich würde mich freuen über gute Antworten, vor allem den relevanten Gesetzestext oder Gerichtsbeschluß.

mfg, Peter aus Graz



alles2
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Re: Vogelfüttern am Balkon

Beitrag von alles2 » 21.06.2020, 14:23

Generell gibt es kein Fütterungsverbot für Vögel. Nur ist die Frage, in wie fern das Füttern Sinn macht und da hat die Nachbarin meiner Meinung schon recht. Die Vögel kommen auch ohne die Fütterung durch den Menschen durch. Wenn ich den Artikel des Naturschutzbundes richtig verstanden habe, geht es um die Sinnhaftigkeit der Bejagung von Krähen. Wenn eine Diskussion schon in diese Richtung geht, brauchen wir uns um den Bestand dieser Vogelart keine Gedanken machen und uns schon gar nicht als Artenschützer aufspielen. Denn deren Bekämpfung und Vertreibung ist ein größeres Thema als deren Schutz, weil sie u.a. die Singvögelbestände dezimieren könnten.

Grundsätzlich wird von der Vogelfütterung abgeraten, wenn die Vegetation sprießt, die Brutzeit begonnen hat und es im Winter keine geschlossene Schneedecke oder keinen anhaltenden Frost gibt, weil das natürliche Futterangebot ausreicht und sonst die natürliche Nahrungssuche entwöhnt werden könnte. Nimmt es unkontrollierte Ausmaße an, würden die Tiere quasi gemästet werden und könnten dadurch im schlimmsten Fall verenden. Gerade die Krähen sind clever genug, um sich selbst versorgen zu können. Dafür sollen sie auch entsprechend aktiv bleiben und hingegen nicht zu "gemütlich" werden. Bei gewissen Arten könnte dadurch eine unnatürlich hohe Population entstehen, was nicht bei allen erwünscht ist (Stichwort Bejagung in Anlehnung des Artikels)

Sollest Du weitere Informationen einholen wollen, kannst Du Die Kontaktdaten des Naturschutzbundes heranziehen oder Dich an die Umweltanwaltschaft Steiermark wenden:

https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/74836447/DE/

Solltest Du es dennoch Deine Zufütterung beibehalten wollen, sollte besonders § 17 Tierschutzgesetz (TSchG) eingehalten werden:

https://www.jusline.at/gesetz/tschg/paragraf/17
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Steiner39
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Re: Vogelfüttern am Balkon

Beitrag von Steiner39 » 21.06.2020, 15:07

Danke für die Links,
betreffend "nur im Winter bei Schnee" da scheiden sich die Geister, siehe Artikel
Bei der Frage, wie wichtig das zusätzliche Futterangebot im Winter für Vögel ist, gehen die Meinungen auseinander. Die Einen sagen, dass eine ausschließliche Fütterung bei Frosttagen und geschlossener Schneedecke völlig ausreichend ist. Die Anderen hingegen finden eine ganzjährige Fütterung als sinnvoll und notwendig. Prof. Dr. Peter Berthold, einer der führenden Ornithologen Deutschlands, hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und kommt nach jahrzehntelanger Forschung zu einem klaren Ergebnis.

Demnach sind Futterhäuschen eine sehr wichtige Hilfe für heimische Vögel um zu überleben und zwar nicht nur im Winter. Da der Energieverbrauch im Winter sehr hoch ist, kann ein zusätzliches Nahrungsangebot lebensrettend für die Vögel sein. Im Sommer macht den kleinen Flugkünstlern zwar nicht die Kälte zu schaffen, aber durch das verstärkte Zurückdrängen natürlicher Lebensräume, ist das Futterangebot nicht mehr vergleichbar mit dem von früher. Der Insektenbestand beispielsweise ist in den letzten Jahrzehnten um 75% zurückgegangen. Die Forschungen haben auch ergeben, dass in der Zeit, in der die Jungen aufgezogen werden, die Futterhäuschen nur in Notzeiten aufgesucht werden, da der Instinkt, natürliches Futter an die Jungvögel zu verfüttern, stark ist. Das Argument, dass eine hohe Ansteckungsgefahr am Futterhäuschen besteht, konnte Prof. Dr. Berthold ebenfalls nicht bestätigen. Durch die hohe Körpertemperatur der Vögel, die bei 43 bis 44 °C liegt, haben ansteckende Keime nur ein geringes Etablierungspotential.
https://naturschutzbund.at/artenschutz/articles/vogelfuetterung-im-winter-wintergaeste-am-futterhaeuschen.html

Abgesehen davon, ein par Erdnüsse pro Tag sind eh keine richtige Fütterung, sondern eher Snacks.

alles2
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Re: Vogelfüttern am Balkon

Beitrag von alles2 » 21.06.2020, 15:48

Von einem "unkontrollierten Ausmaß" bin ich in Deinem Fall ohnehin nicht ausgegangen und wollte nur vermittelt haben, dass eine zusätzlich Fütterung tendenziell nicht notwendig ist. Na klar gibt es immer welche, die das naturgemäß anders sehen, und auch Du kannst dahingehend tun und lassen, was Du möchtest. Dennoch habe ich den Eindruck vermittelt bekommen, dass es meistens so ist, wie es die Nachbarin artikuliert hat. Bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, dass sie deshalb richtig liegen muss. Dazu hängt es eben von zu vielen Faktoren wie Population, Region, Jahreszeit usw. usf. ab.
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Adler2
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Re: Vogelfüttern am Balkon

Beitrag von Adler2 » 24.06.2020, 00:37

Hallo Peter !

Ich habe den Eindruck Sie sind den Rabenvögeln sehr verbunden. Es macht Freude, diese klugen Vögel zu beobachten.
Will ein bischen was zum Thema schreiben.


Zitate von "alles2":

Grundsätzlich wird von der Vogelfütterung abgeraten, wenn die Vegetation sprießt, die Brutzeit begonnen hat
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gibt's Unterschiedliche Fach-Meinungen dazu.
Wichtig ist: zur Brutzeit das RICHTIGE, je nach VogelART passende Futter
anzubieten. Das bereitet unter Umständen schon einen Aufwand (und Kosten) in der Beschaffung vom (Spezial) Futter.

Weiters: wenn bei uns die Brutzeit für "unsere" Stand-Heimvögel beginnt, kommen viele Zugvögel bei uns an und sind von der langen Reise nicht grade in bestem Futterzustand und hier kann helfen, wenn die angekommenen Vögel nicht lange nach Futter suchen müssen.


es im Winter keine geschlossene Schneedecke oder keinen anhaltenden Frost gibt, weil das natürliche Futterangebot ausreicht
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wieder: unterschiedliche Fachmeinungen dazu
Wenn man Winterfutterstellen im Herbst schon einrichtet (und man muss nicht jeden Tag dort voll füllen....nur ein Zusatzangebot für die Übergangszeit zum Schnee-Winter), dann kennen die Vögel die Futterstellen, wenn Frost und Schneedecke.
Für kleine Vogelarten kann ein Tag ohne Futter (finden) schon bedenklich für Gesundheit (evtl. Tod) sein!!!
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/wien/418075_Der-kleinste-Vogel-hat-den-groessten-Hunger.html


und sonst die natürliche Nahrungssuche entwöhnt werden könnte.
========================================================
wenn im Winter durch Schnee/Frost kein natürliches Futter zu finden ist, wird es ohne Zufütter "Konsequenzen" für die Vögel geben. Und wenn bei Ganzjahresfütterung nur ein (zur Jahres/Brutzeit passendes!!!) ZUSATZ-Angebot gibt, dann gibt es keine Entwöhnung von einer natürlichen Nahrungssuche.

Nimmt es unkontrollierte Ausmaße an, würden die Tiere quasi gemästet werden und könnten dadurch im schlimmsten Fall verenden.
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Ich bin kein Vollprofi beim Thema "Wildvögel", aber dass Wildvögel in gemästeten Zustand aufgefunden werden, habe ich noch nie gehört/gelesen.
Bei Stadtenten ist das schon eher der Fall, die mit Unmengen von Brot und Semmeln krank gefüttert werden. Tauben detto, die müssen!! den Dreck von den Menschen fressen, weil sie in Stadt fast kein artgerechtes Körnerfutter finden und fette Stadttauben sind auch eine Seltenheit! (aber Stadt-Tauben sind sowieso keine Wildvögel)

Gerade die Krähen sind clever genug, um sich selbst versorgen zu können. Dafür sollen sie auch entsprechend aktiv bleiben und hingegen nicht zu "gemütlich" werden.
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Ich habe auch noch KEINE Krähe gesehen (und da kann ich ein bisschen "mitreden") die zu gemütlich war zum Futter suchen !!
Krähen sind Aasfresser!! Die Bezeichnung "Allesfresser" findet man oft, ist aber insofern nicht sehr günstig gewählt, weil Krähen - und vor allem die STADTkrähen - durchaus sich "falsch" ernähren können, WEIL sie eben alles fressen (Pommes, Brot...was immer leider von Leuten bekommen oder irgendwo finden). Es können (bzw. werden meist) dadurch Gefiederschäden durch Mangelernährung entstehen, die eine Krähe durchaus dann flugUNFÄHIG machen können.
Noch schlimmer wirkt sich das bei Krähen-NACHWUCHS aus !!!! Wenn Kräheneltern aus Mangel an krähengerechtem Futter (Mäuse, sonstiges Weichgetier....weil es im März bis Juni wenig Regen gab...die Böden hart sind und kein Kleingetier gefunden werden kann für die Krah-Kinder) in der Stadt Essenreste, die sie finden, als Ersatzfutter dem Nachwuchs verfüttern, dann bekommen viele junge Krähenkinder MASSIVE Mangelerscheinungen: von Gefiederschäden (massive Weißfedrigkeit) bis zu RACHITIS (verbogene Füße, weiche Knochen generell und so weiche Schnäbel, dass man sie mit der Hand leicht "umbiegen" kann). Solche Krähen-Kinder sind meist nicht überlebensfähig, quälen sich durch ihr junges Leben. Falls sie wo aufgefunden und gesichert werden, kann man oft nur mehr helfen, das man solche Vögel "erlöst".

Ich schreibe das so ausführlich, weil ich darauf hinweisen will, dass Krähen (sowie die anderen Rabenvögel-Arten) zu den SING-Vögel gehören und somit unter ARTENSCHUTZ stehen !!

Vielleicht lässt sich unter dem Aspekt, dass man während der Zeit wo die Vögel wegen schlechter Wetterbedingungen (kein Regen...) für ihre Nestlinge kein passendes Futter finden können, dem Nachbar erklären, warum Sie auf Ihrem Balkon "Kleinigkeiten" anbieten. (Nüsse würden für Astlingsfutter nicht passend sein).

Ausserhalb der Brutzeit kleine gesunde Gutis mal zu geben (kann ja mal ne Weintraube oder Apfelstück oder gekochtes Eigelb), macht die Rabenvögel nicht unselbstständig mit der Futtersuche.
Zu bedenken wäre aber: wenn die Gutis evtl. im Balkon von Nachbar dann "gebunkert" werden, wird der Nachbar berechtigterweise keine Freude damit haben.

Sie haben in Ihrem Text nicht geschrieben, ob Sie Privat-Grundstück bewohnen oder eine Wohnhausanlage (Privatmiete oder von Grazer Gemeinde). In Wien würde das unter Umständen schon relevant sein, ob wo ein Fütterungsverbot ausgesprochen werden könnte (bzw. bei starker Beinträchtigung der Nachbarn evtl., da gab es in Wien schon einen Fall auf einem Privatgrundstück).
Nur als Gedankenanstoß, beantworten kann ich Ihnen das nicht (bin kein Juris).

PS: bei Fragen zu Krähen: gerne per PN weiteres....

beste Grüße, Adler

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