Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

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Julian100
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Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von Julian100 » 19.02.2021, 11:29

Ich habe im Oktober 2020 eine Grafikkarte um 200€ gekauft.

Kontakt mit Verkäufer über Shpock, alles ist VOR der Beazahlung einwandfrei gelaufen.

Danach als ich das Geld per Paypal Freunde überwiesen habe, nur blabla Ausrede von ihm bekommen.

Nach der Fristsetzung bin ich einfach zum Polizei gegangen und habe eine Anzeige gegen ihn erstattet.

Heute Brief bekommen, totaler Shock: das Verfahren wurde eingestellt

Wie kann das passieren? Es kann nach Paypal Konto, Telefonnummer oder IP-Adresse ermittelt werden, wieso wurde trotzdem das Verfahren eingestellt??

Liebe Grüße



MG
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von MG » 19.02.2021, 13:16

Ich nehme an, die Nachricht, die Sie erhalten haben, stammt von der Staatsanwaltschaft.

In der Nachricht über die Einstellung des Verfahrens sollten Sie auch darüber informiert worden sein , dass Sie binnen 14 Tagen eine Begründung verlangen können, aufgrund welcher Tatsachen und Erwägungen das Verfahren eingestellt wurde.

Als (mögliches) Opfer haben Sie (s. aber noch den nächsten Absatz) auch das Recht, unter bestimmten Voraussetzungen einen Antrag auf Fortführung des Ermittlungsverfahrens (Fortsetzungsantrag) zu stellen. Über diese Möglichkeit sowie über die dafür geltenden Voraussetzungen (z.B. Frist) sollten Sie im Rahmen der Verständigung über die Einstellung des Verfahrens informiert werden.

Sollte allerdings die Staatsanwaltschaft überhaupt davon ausgehen, dass nicht einmal ein so genannter "Anfangsverdacht" gegeben ist, dann leitet sie nicht einmal ein Ermittlungsverfahren ein und dagegen ist auch kein Fortsetzungsantrag möglich (OGH 11 Os 119/15g), worauf in der Nachricht aber üblicherweise auch hingewiesen wird.
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Julian100
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von Julian100 » 19.02.2021, 13:39

Die Nachricht stammt von der Staatsanwaltschaft.

Grund war: Täter konnte nicht ermittelt werden.

Das ärgert mich schon sehr, habe heute mit einem Freund darüber erzählt. Er meinte, dass es nicht möglich ist, nach IP-Adressen oder Telefonnummer zu verfolgen, weil das nur bei Mord oder Terrorismus gemacht wird. Das ist natürlich aus meiner Sicht ein ****** :evil:

Vielen Dank für die Antwort, jetzt werde ich eine Fortsetzungsantrag stellen.
Ich hoffe, das dann was raus kommt.

MG
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von MG » 19.02.2021, 13:55

Wenn Sie über Paypal gezahlt haben, können Sie dann nicht via Käuferschutz Ihr Geld zurück holen?

https://www.paypal.com/at/webapps/mpp/paypal-safety-and-security
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von alles2 » 19.02.2021, 16:38

Der PayPal-Käuferschutz gilt nicht für private Überweisungen an "Freunde und Familie", dessen Option der Betrogene beim aufmerksamen Lesen seines Threads offenkundig genutzt hat. Somit ist das Geld weg. Diese "uralte" Betrugsmasche ist aber nur für jene neu, die es nicht kennen. Aber wer solche "Freunde" hat, ist eh selber schuld und kann das als Lehrgeld abschreiben!
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von MG » 19.02.2021, 17:07

@alles2: Danke, kannte diese Paypal-Funktion bisher nicht, daher ist mir dieses Detail auch nicht aufgefallen.
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alles2
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von alles2 » 19.02.2021, 20:07

Eigentlich schlägt einem diese Funktion beim "Geld senden" förmlich entgegen. Sogar wenn man dort nur auf konventionellem Wege für eine Ware oder Dienstleistung zahlen möchte. Außer man hat gar keinen PayPal-Account, nutzt es nur für den Geldempfang oder schafft die Überweisung anderen an.

PayPal.jpg
Geld an einen Freund senden
PayPal.jpg (31.92 KiB) 343 mal betrachtet

Meiner Erfahrung nach bringt auch kein Fortführungsantrag was. Außer man möchte die ohnehin schon überlasteten Behörden oder gar Gerichte unnötig auf Trab halten. Diese Betroffenen haben es dann eh nicht anders verdient, wenn ihnen - falls nicht für uneinbringlich zu erklären - zusätzlich noch der Pauschalkostenbeitrag nach § 196 Abs.2 StPO von 90 Euro aufs Aug gedrückt wird.

Die Masche ist mindestens so alt seitdem es "ebay-kleinanzeigen" gibt. Dem deutschen Pendant zu "willhaben". Mittlerweile dürfet es auch auf "Shpock" übergeschwappt sein. Und nur zu gerne stecken dahinter professionell strukturierte oder (vom Ausland aus) agierende Banden, die sich erschlichenen oder gehackten PayPal-Konten oder Accounts von Online-Flohmärkten bedienen. Hat sich erst mal eine entsprechende Summe angesammelt, wird das Bankkonto geräumt, um die Spuren zu verwischen. Auf durch Phishing-Mails erhaschten Zugangsdaten von Bankkonten gehe ich da noch nicht mal weiter ein. Daher dürfen sich die Inhaber der Online-Konten jetzt schon freuen, wenn die Polizei wegen einer erstatteten Anzeige oder einem Fortführungsantrag anklopfen und sie zu Unrecht verdächtigt werden.
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von Julian100 » 19.02.2021, 22:33

Aber es besteht doch sehr viele Möglichkeiten, den Betrüger herauszufinden

Zuerst nach Paypal Konto: Paypal wird die IP-Adresse und die Telefonnummer bekannt geben.

Danach,

Nach IP-Adresse: Einfach den ISP fragen, dann wird die Daten der genutzten IP-Adresse rausgerückt.
Nach Telefonnummer: Jede Nummer ist mit einer Identität verknüpft, hier ist die Chance auch sehr hoch.

Es ist nur eine Frage der Zeit. Außerdem bin ich mir fast sicher, dass der Täter nicht im Ausland ist (Als ich mit ihm telefoniert habe, war er mit Freunden unterwegs und ich habe einiges gehört).

Habe ich noch eine Chance? oder soll ich mir lieber den Pauschalkostenbeitrag sparen.

Liebe Grüße

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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von alles2 » 19.02.2021, 23:29

Rein theoretisch ist vieles möglich. Doch versetze Dich mal in die Lage eines Betrügers. Natürlich kann es sich um einen Gelegenheitsganoven handeln, der das geistige Niveau eines 7-Jährigen haben. Doch hast Du es mit einem professionellen Wiffzack zu tun, versteht er es, alles zu verschleiern, was ihn überführen könnte.

Dann stellt sich die Frage, ob die Plattform mit den Behörden zusammenarbeiten. Mein Wissensstand ist, dass eBay ganz leicht die Daten hergibt. Bei Amazon wird es da schwieriger. GMX hatte sich komplett verschlossen, während PayPal sehr zögerlich was preisgibt. Und wenn, waren die Daten kaum verwertbar. Zu Shpock kann ich dazu absolut nichts sagen.

Manche haben echt eine falsche Vorstellung von der Praxis. Wenn es wirklich so einfach wäre, würden diese Maschen endlich ein Ende nehmen. Aber nein, sie werden immer ausgefeilter und facettenreicher. Die Behörden kommen schon gar nicht mehr nach und hinken den Gaunern meist mindestens einem Schritt hinterher. Wenn Du Schach spielen kannst, weist Du, was ich meine.
Daher unterlasse es, der Staatsanwaltschaft zu erklären, wie die ihre Arbeit zu machen haben. In einem Fortführungsantrag wäre das deplatziert und könnte eher nach hinten losgehen.

Ich hatte mich zuvor allgemein ausgedrückt und das mit dem Ausland nur vorsichtig erwähnt, da sich die Bauernfänger nicht immer im selben Land aufhalten müssen wie das Bauernopfer. Außerdem wusste ich nicht, dass Du bereits mit ihm telefoniert hattest.
Was war das für eine Telefonnummer und ist sie noch erreichbar?
Wie habt Ihr nach der Bezahlung überhaupt noch den Kontakt gehalten und was wurde dabei alles gesagt/geschrieben?
Wie hat er auf die womöglich angekündigte Anzeige reagiert?
Wie sahen die Bewertungen seines Accounts aus, seit wann ist es registriert, welches Standort war hinterlegt und wie viele (Ver)Käufe konnte es vorweisen?
Wie würdest Du seinen Akzent oder Dialekt zuordnen und sein Alter einschätzen?
Hast Du eine Kopie Deiner Anzeige?

Ob sich Dein Antrag lohnt, hängt von einigen Faktoren ab, die ich nicht beurteilen kann. Nicht nur, ob Du entsprechend § 195 Abs.1 StPO etwas (Neues) vorbringen könntest, sondern wie ausgefuchst der angebliche Verbrecher vorgegangen ist. Vergiss nicht, sollte Dein Antrag durchgehen oder verfügst Du nur über ein äußerst knappes Budget, fällt die Pauschale nicht an. Auf jeden Fall solltest Du Akteneinsicht nehmen, um zu schauen, wie weit die Ermittlungen gingen und woran es vorerst scheiterte. Dann kann man weiterreden.
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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von Julian100 » 20.02.2021, 10:56

Aus Datenschutzgründen kann ich hier nicht einfach seine Telefonnummer posten.. Es war eine +43699xxxxxxxx Nummer.

Nach der Bezahlung gar keine Rückmeldung bekommen

Shpock Account wurde vor 4 Monate erstellt (mit 4 Bewertungen).

Akzent oder Dialekt kann ich leider nicht zuordnen, aber die Stimme klingt wie ein 30 Jähriger.

Ich habe gestern noch mit dem Sachbearbeiter von der Polizeiinspektion telefoniert. Er meinte, dass die Chance eher gering ist, weil sie nicht nach IP-Adresse ermitteln können :evil: :evil: :evil:.

Die einzige Möglichkeit wäre nach Telefonnummer zu ermitteln, aber Drei gibt auch keine Daten her.

:cry: :cry: :cry: :cry:

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Re: Shpock Betrug, Informationen vom Täter vorhanden, wieso wurde das Verfahren eingestellt?

Beitrag von alles2 » 21.02.2021, 03:13

Das ist genau das, was ich meine. Die Ermittlungsarbeiten scheitern gerne daran, dass die Unternehmen nicht mitwirken.
Aber bei der TelNr. sollte man meinen, dass da keine große Struktur dahintersteckt und da einfach wer der Versuchung nicht widerstehen konnte.

Kenne mich jetzt aber gerade nicht aus: Zuerst sollst Du nach der Bezahlung nur Ausreden von ihm bekommen haben. Und nun soll es angeblich gar keine Rückmeldung gegeben haben. Wie jetzt?
Ist denn die Telefonnummer überhaupt noch erreichbar? Du könntest sie mir per PN zukommen lassen. Ich kenne da so ein paar Möglichkeiten!
Mit welchem Namen hattest Du ihn angesprochen?
Welcher Name und Standort trug der Verkäufer-Account? Kann man es noch abrufen bzw. wird dort aktuell noch was angeboten?

Wie gesagt, Du kannst Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft nehmen. Eventuell ist dort zu entnehmen, welche Versuche unternommen wurden. Sollten sich dort interessante Hinweise ergeben, darf man mit dem eigenen Handy ein Foto davon machen!
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