Erbe nie bekommen 2. Weltkrieg Wien

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Sihoban
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Erbe nie bekommen 2. Weltkrieg Wien

Beitrag von Sihoban » 01.09.2018, 15:53

Hallo an alle,

ich habe eine etwas kompliziertere Anfrage. Und zwar ist es so dass meine Großmutter 1917 in Wien geboren wurde, ihre Mutter hatte den Vater 1922 verlassen (sie blieben aber weiterhin verheiratet) und sie starb als meine Großmutter zehn Jahre alt war, woraufhin sie bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Kroatien aufwuchs bis diese 1929 ebenfalls verstarben und kam dann weiter zu einer angeheirateten Großtante nach Serbien (und dort heiratete sie und blieb bis zu ihrem eigenen Tod 1977).
Ihr Vater war die ganze Zeit über weiter am Leben bis er Anfang 1945 in Wien starb (was ich erst vor zwei Jahren herausfinden konnte), wovon meine Großmutter nie eine Nachricht erhielt. Wir wissen nicht genau warum, vermuten aber die Kriegswirren. Das Leben in Serbien nach dem 2. WK war für sie und ihre Nachkommen extrem hart und 1960 ist sie selber sehr schwer erkrankt, so dass sie nie wirklich die Möglichkeit hatte nach Wien zu fahren um selber nachzuforschen. Selbst meine Mutter hatte 1993 bei der Nachforschung noch große Problem.
Wie dem auch sei, Vater und Tochter hatten ab und an Briefkontakt (gesehen haben sie sich leider nach 1922 nie wieder), ihm war ihre Adresse also bekannt. Meine Großmutter war die einzige Nachkommin ihres Vaters, dieser hatte zwar 1939 noch mal in Wien geheiratet, sich jedoch 1942 gleich wieder scheiden lassen und Nachkommen gab es eben nicht.
Nun ist es so dass nachdem sie ja selber nie etwas von dem Tod ihres eigenen Vaters erfahren hat, auch nie irgendeine Art von Erbe (welches ihr ja wohl zugestanden wäre) bekommen hat. Dass er sie enterbt haben könnte, steht unserer Meinung nach außer Frage da die beiden immer sehr netten Briefkontakt hatten und selbst wenn, wäre ihr ja trotzdem ihr noch der Pflichtteil geblieben, der in diesem Falle sogar 100% hätte betragen müssen, da es sonst keine anderen direkten Vor- oder Nachfahren gab, oder lieg ich da falsch?
Ich habe nun bei meinen Forschungen herausfinden können, dass mein Urgroßvater noch zwei Schwester hatte, wovon mindestens eine in den 1960er noch lebte, da wohl einer meiner Tanten die selber in Wien lebt diese kontaktierte (es war damals bekannt dass sie mit uns verwandt war, beide Seiten wussten jedoch nicht genau wie). Die Dame war sehr misstrauisch und der Kontakt brach schnell wieder ab. Inzwischen ist sie lange verstorben, da seine Schwestern 1883 bzw. 1885 geboren waren.
Meine Vermutung ist nun dass sein Erbe wohl an eine bzw. beide seiner Schwestern gegangen sein musste. Nun zu meiner eigentlichen Frage: Gibt es eine Möglichkeit zu bestimmen was genau sein Erbe umfasste (ein Testament besitzen wir natürlich nicht)? Und gibt es irgendwie eine Möglichkeit dieses jetzt nach so langer Zeit noch einzufordern? Wie fange ich da überhaupt am besten an?

Ich bin dankbar für jeden Hinweis und jeden Tipp!!

Danke und viele Grüße,
Sihoban



Heron
Beiträge: 350
Registriert: 31.05.2018, 14:13

Re: Erbe nie bekommen 2. Weltkrieg Wien

Beitrag von Heron » 06.09.2018, 15:37

Um die damals geltenden Bestimmungen auszuheben und das Schicksal etwaiger Ansprüche vollständig darzulegen ist eine zeitaufwendige Recherche erforderlich. Vorerst sei einmal folgendes erwähnt:

Sie müssen Sie damit rechnen, dass die Ansprüche gegen den/die Erben bereits verjährt sind. Im Zuge des Erbrechtsänderungsgesetzes 2015 (in Kraft seit 01.01.2017) wurde für erbrechtliche Ansprüche und das Recht auf Anfechtung eines Testaments eine absolute Frist von 30 Jahren ab dem Tod des Erblassers angeordnet. Diese Frist gilt auch für bestehende Ansprüche, sofern Sie nach bis dahin geltendem Recht noch nicht verjährt waren (§ 1503 ABGB).

Womöglich können Sie noch beim zuständigen Bezirksgericht Akten des Verlassenschaftsverfahrens Ihres Urgroßvaters einsehen, wenn Sie ein rechtliches Interesse (das wäre in Ihrem Fall, dass Sie ggf. als Rechtsnachfolger Ansprüche als übergangener Noterbe gegen den Erben erheben wollen) darlegen. Dazu stellen Sie beim zuständigen Bezirksgericht einen Antrag auf Bewilligung der Akteneinsicht (nach (§22 AußStrG iVm § 219 ZPO).

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