Alles eine Sache der Beweiswürdigung ..

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avid apprenticius
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Alles eine Sache der Beweiswürdigung ..

Beitrag von avid apprenticius » 10.10.2021, 00:25

Hallo zusammen

Mir wurde ein Fall zugetragen in welchem ein Hausbewohner A. aus Ärger über die versteckt installierte und praktizierte Videoüberwachung hinter dem Gangfenster eines Mitbewohners B. mit einer wenige mm dünnen Abstreifermatte aus Gummi (60 x 40 cm) in einem schwachen Moment ungestüm außen gegen dessen Tür der Wohnung geschlagen hat.

Dabei war die Wohnungstür des 180 cm großen Bewohners B. nur leicht etwa 30 - 40 cm nach innen geöffnet und selbiger stand dabei stets aufrecht in der Wohnung hinter der Tür.

Die Gummimatte wurde vom 173 cm großen A. dabei rechtshändig ganz oben an der Ecke gehalten und befand sich wie ersichtlich auch unmittelbar vor dem Gegenklaschen außen bei der Tür nicht oberhalb seiner horizontal seitlich ausgestreckten Armposition (Videoframes Nr. 279 und 280).
Aufgrund des Geräusches des Gegenklatschens der Matte außen bei der Tür trifft die Matte ab Videoframe Nr. 281 außen auf.

Die einzelnen Frames der Videosequenz dauern in Echtzeit jeweils 40 ms. Durch die sehr schräg nach außen auf den Gangbereich gerichtete Spionage-/Videoüberwachungskamera liegt eine recht ausgeprägte räumlich-perspektivisch verzerrte Darstellung vor in dieser Videosequenz zum Gegenklatschen der Gummimatte und deren Videoframes.

Durch diese räumlich-perspektivisch verzerrte Darstellung erscheinen etwa räumlich weiter hinten befindliche Objekte (gegen links hin) auf den Videoframes nach oben verschoben dargestellt.


Kurz nach dem Gegenklatschen der Gummimatte außen bei der Tür ist der 180 cm große Herr B. dann vorübergehend über eine Spiegelung innen am Gangfenster auf dem Video erkennbar, wie dieser dabei gerade aufrecht in der Wohnung hinter der nur leicht geöffneten Tür steht (ab Videoframe Nr. 290).

Überdies ist über diese Spiegelung auch die etwas geöffnete Tür mit der äußeren Türklinke zu erkennen (ab Videoframe Nr. 287).
Letztere befindet sich in einer Höhe von 106 cm über Boden.

In derselben Höhe befindet sich auch der Fenstersims außen unterhalb des Gangfensters. A. hat sich auf selbigen mit der linken Hand beim Gegenklatschen der Matte außen abgestützt und sich dabei wie ersichtlich auch einigermaßen stark zur Seite gestreckt bzw. gebeugt.

Dadurch ergab sich eine nochmal tiefere Position der ganz oben an der Ecke gehaltenen Gummimatte beim Gegenklatschen außen bei der Tür.

Hinlänglich erkennbar sollte hiermit eigentlich sein, dass die horizontal seitlich ausgestreckte Armposition mit der dabei ganz oben an der Ecke gehaltenen Gummimatte unmittelbar beim Gegenklatschen außen sich nur knapp oberhalb des in einer Höhe von 106 cm dem Gang entlang verlaufenden Fenstersims befindet. :!:

Bemerkenswert ist dabei etwa auch, dass Herr B. für gewisse Zeit lang weiterhin mit dem Kopf völlig bewegungslos hinter der Tür gestanden ist, als die Gummimatte bereits außen gegengeklatscht war und sich wieder weg bewegt hat (Geräusch!). Das ist insbesondere ab Videoframe Nr. 291 erkennbar, zwischen Frame Nr. 291 und 292 gibt es praktisch gar keine Bewegung seines Kopfes! Daraufhin bewegt sich der Kopf verzögert und verhalten dann nur einige cm nach hinten. :!:


Dabei hat Herr B. nun behauptet, bei diesem Gegenklatschen der Gummimatte außen von A. heftig mitten im Gesicht auf Höhe der linken Schläfe und Nase getroffen und verletzt worden zu sein, indem er eine Rötung, eine verstopfte bzw. geschwollene Nase sowie mehrere Tage lang Kopfschmerzen erlitten habe. Diese Rötung sowie verstopfte bzw. geschwollene Nase konnte jedoch außer ihm selber von niemandem sonst auch nur im Geringsten festgestellt werden.

Ab Videoframe Nr. 280 wurde zur weiteren Veranschaulichung in dieser Videosequenz die Türklinke der leicht nach innen geöffneten Tür sowie die Kopfposition des 180 cm großen Herrn B. eingezeichnet, genau so wie dieser kurz darauf ab Frame Nr. 292 über die zeitweise Spiegelung stets aufrecht stehend hinter der Tür erkennbar ist.
Zudem wurde die Position der Fenstersims Außenkante in heller Linienführung - und deren gedachte Verlängerung hin zur Tür dünn strichliert - eingezeichnet.


Die mit dem Fall befasste Behörde tut nun so, als dass es aus der Videosequenz nicht mit einiger Sicherheit feststellbar wäre, ob Herr B. dabei tatsächlich mitten im Gesicht getroffen worden ist oder selbiger das nur verleumderisch erfunden und vorgetäuscht hat.
Eine fachkundige Begutachtung bzw. ein Sachverständigen Gutachten dazu will die befasste Behörde wohl auch nicht heranziehen.

Was meint denn ihr nun so dazu, wie wahrscheinlich ist es anhand dieser Videosequenz zum Gegenklatschen der Gummimatte in Zeitlupe, dass Herr B. dabei tatsächlich (nicht) getroffen wurde auf Höhe seiner Schläfe und der Nase ?
Lässt sich damit nennenswert was beweisen oder nicht ?


Update:
Die besagte Videosequenz zum Gegenklatschen wurde nun in das mp4 Format umgewandelt für eine verbesserte Kompatibilität


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https://www.dropbox.com/s/eryxq33d1qhwxnu/ab-275-audio-1.mp4?dl=1
Videosequenz zum Gegenklatschen der Gummimatte außen bei der Tür


Fenstersims-am-Gang-1.jpg
Fenstersims-am-Gang-1.jpg (139.16 KiB) 203 mal betrachtet
Örtliche Verhältnisse vor der Wohnung des Herrn B., mit dem Gangfenster und dem Sims darunter.
Die Videosequenz wurde von Kamera Position 1 aus aufgenommen.
A. ist mit der Gummimatte hier von der linken Seite her gekommen.


Gummimatte-ganz-oben-gehalten-1.jpg
Gummimatte-ganz-oben-gehalten-1.jpg (114.89 KiB) 203 mal betrachtet
Gummimatte-ganz-oben-gehalten-2.jpg
Gummimatte-ganz-oben-gehalten-2.jpg (106.97 KiB) 203 mal betrachtet
Diese Bilder zeigen A. von einer weiteren Kamera Position aus kurz vor dem Gegenklatschen der Matte außen bei der Tür.
Klar erkennbar wird dabei die ganz oben an der Ecke gehalten und nach unten hängende Gummimatte.


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https://www.dropbox.com/s/y7cjn71c2c0ltf7/Fenstersims.mp4?dl=1
Ergänzende Videosequenz zum realistisch eingezeichneten Verlauf des Fenstersims außen
Zuletzt geändert von avid apprenticius am 19.10.2021, 18:16, insgesamt 3-mal geändert.



alles2
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Re: Alles eine Sache der Beweiswürdigung ..

Beitrag von alles2 » 10.10.2021, 10:30

Nun wäre die Frage, wer hier wen wegen was geklagt hat. Denn daran orientiert sich, wie wesentlich die Frage im Verfahren ist und ob ein Gutachten beigeschafft werden sollte. Ich zumindest halte diese Erörterung der Geschehnisse für zu kurz gegriffen. Die Vorgeschichte wäre interessant. Vielleicht ist dem ein Disput zwischen Tür und Angel vorangegangen. Dann könnte der Angreifer sowas gesagt haben wie "Herst, Du Bauernschädel, woart a weng". Ersterer greift zu seinem Fußabstreifer und holt in der Erwartung im Zuge eines Überraschungsangriffes aus, dass der Kontrahent noch bei der Tür steht, um ihn auch wirklich zu treffen. Daher bleibt die Frage, warum er das gemacht hat und ob er das bekommen hat, was er wollte. Wenn er den Betroffenen genau am Gesicht treffen wollte, ohne direkt die Fäuste sprechen lassen zu wollen, braucht er sich nicht weiter wundern. Man muss nicht gleich am Boden liegen, wenn man von einem Gegenstand getroffen wird. Man kann im ersten Moment auch in Schockstarre verfallen. Die Folgen können erst mit Verzögerung auftreten (ohne dass man es nicht wirklich gespürt hat) und ebenso wieder abklingen. Freilich versucht jeder Angeklagte die Situation möglichst herunterzuspielen, während das Gegenüber gerne mal etwas dramatisiert, um eventuell aus der Sache etwas herausschlagen zu können.
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avid apprenticius
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Re: Alles eine Sache der Beweiswürdigung ..

Beitrag von avid apprenticius » 19.10.2021, 21:48

Danke für den nützlichen Input.
Von der damit befassten Behörde wurde zuerst aufgrund der erstatteten Anzeige des Herrn B. und seinen Angaben als Zeuge, er sei dabei von der Gummimatte mitten im Gesicht getroffen worden und habe dadurch mehrere Tage lang Schmerzen sowie eine Rötung im Gesicht sowie ein „geschlossenes Nasenloch“ erlitten, gegen A. per Strafantrag vorgegangen wegen versuchter (!) Körperverletzung (§§ 15, 83 StGB).

Und das obwohl Herr B. ja als Zeuge bei der Polizei klar ausgesagt hat, für mehrere Tage lang Schmerzen, eine „geschlossene“ Nase sowie eine Hautreizung erlitten zu haben.

Die Beteuerungen des A., dass dabei von der – ganz oben an der Ecke gehaltenen – Gummimatte nur die Außenseite der leicht geöffneten Tür getroffen worden ist und dies deutlich unterhalb der Höhe des Kopfes des 180 cm großen Herrn B., hat die befasste Behörde dabei beharrlich ignoriert.

Nachdem das zuständige Bezirksgericht A. freigesprochen hatte, wurde durch die nunmehrige Leiterin der befassten Behörde Berufung eingebracht. Selbiger wurde auch stattgegeben mit der Begründung, das Erstgericht habe eine mögliche versuchte Tatbegehung (§§ 15, 83 StGB) bei der Beweiswürdigung zu wenig berücksichtigt.

Bei der Wiederholung der Hauptverhandlung wurde dann – auf Anregung des Berufungsgerichts – eine weitgehend realistische Nachstellung bzw. Tatrekonstruktion des Gegenklatschens mit der Gummimatte außen bei der Tür durchgeführt.

Dabei stellte sich dann so gut wie eindeutig heraus, dass Herr B. von der Matte nicht auf Höhe der Gesichtsmitte getroffen worden sein konnte – und im Grunde auch nicht getroffen werden hätte können.
A. wurde daraufhin nochmal freigesprochen.

Trotz diesem Ergebnis der gerichtlich durchgeführten Tatnachstellung sowie der dazu vorhandenen Videoaufnahme weigert sich die befasste Behörde nun par­tout, gegen Herrn B. wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage vorzugehen.

Dabei wird dem gegenständlichen Video zu dem Gegenklatschen der Gummimatte außen bei der Tür (siehe erstes Posting) von der befassten Behörde im Prinzip keine objektive Beweiskraft zugesprochen, ohne dieses irgendwie weitergehend untersucht bzw. fachkundig analysiert zu haben.

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avid apprenticius
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Re: Alles eine Sache der Beweiswürdigung ..

Beitrag von avid apprenticius » 20.10.2021, 00:39

...
Es sollte in diesem Forumsbeitrag ja hauptsächlich um die besagte Videoaufnahme zum Gegenklatschen der Gummimatte außen bei der Tür gehen und inwieweit diese einen (objektiven) Beweiswert aufweist hinsichtlich der Frage, ob der 180 cm große Herr B. demnach nun beim Gegenklatschen der Gummimatte außen mitten im Gesicht getroffen worden sein konnte oder nicht.

Wie gesagt A. mit der ganz oben an der Ecke gehaltenen Matte ist knapp über 170 cm groß. Und der mit heller Linienführung eingezeichnete, außen unter dem Gangfenster verlaufende Sims links unten im Bild weist eine Höhe von 106 cm über Boden auf, so wie auch die ersichtliche Türklinke.

In Videoframe Nr. 279 unmittelbar vor dem Gegenklatschen außen bei der Tür ist die Gummimatte eindeutig unterhalb der seitlich horizontal ausgestreckten Armposition des A. ersichtlich.
Das Auftreffen der Matte außen bei der Tür erfolgt - auch dem ansteigenden Geräusch nach zu folgern - ab dem Videoframe Nr. 281 und der zeitliche Abstand zwischen den Videoframes dieser Aufnahme beträgt in Realzeit 40 Millisekunden.

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https://www.dropbox.com/s/eryxq33d1qhwxnu/ab-275-audio-1.mp4?dl=1
Siehe dazu auch die entsprechende Abbildung "Örtliche Verhältnisse vor der Wohnung des Herrn B." am Ende des ersten Postings.

Das Video kann dazu gern bei Bedarf angehalten, noch etwas langsamer abgespielt werden u.dgl. Es ist dabei jedenfalls auch die recht ausgeprägte räumlich-perspektivisch verzerrte Darstellung mit zu berücksichtigen. :!:

Was entsteht denn dabei nun so für ein Eindruck in dieser Hinsicht, wenn man sich diese Videosequenz als "Außenstehende/r" erst mal ansieht, ohne gleich weitergehende Überlegungen oder Analysen dazu anzustellen ?

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